EcoGastroCert
Vergabe-Kit für öffentliche Beschaffungsstellen
Musterformulierungen, rechtliche Einordnung und Argumentarium zur Aufnahme der Zertifizierung energieeffizienter Gewerbeküchen in Ausschreibungsunterlagen.
↓ Als Word-Dokument herunterladen1. Kurzbeschrieb: Was ist EcoGastroCert?
EcoGastroCert ist die Schweizer Zertifizierung für energieeffiziente Gewerbeküchen. Sie ist die einzige Zertifizierung im Gastronomiebereich, die nicht nur die Planung, sondern auch den tatsächlichen Betrieb einer Küche prüft — und damit sicherstellt, dass Energieeffizienz nicht nur auf dem Papier, sondern im Alltag ankommt.
Die Zertifizierung erfolgt in zwei Schritten:
- Teilzertifikat 1 (Planung/Bau): technische und konzeptionelle Kriterien, geprüft frühestens 3 Monate vor Inbetriebnahme — u. a. Gerätewahl, Kälte- und Lüftungskonzept, Wärmerückgewinnung, Beleuchtung.
- Teilzertifikat 2 (Betrieb): Kriterien zum tatsächlichen Umgang mit Geräten und Anlagen, geprüft frühestens 6 Monate nach Inbetriebnahme und danach alle 2 Jahre wiederholt.
Beide Teilzertifikate zusammen ergeben das Vollzertifikat „EcoGastro-zertifizierte Küche" (energieeffizient gebaut und betrieben). Jedes Teilzertifikat wird zusätzlich in drei Leistungsstufen ausgewiesen — Basis, Silber und Gold —, je nach erreichtem Erfüllungsgrad der Kriterien.
Träger des Programms ist Eartheffect AG, entwickelt mit Unterstützung von EnergieSchweiz (Programm des Bundes für Energieeffizienz und erneuerbare Energien) und dem Verband Schweizer Gastroplaner. Die Bewertung erfolgt durch unabhängige, geschulte Auditorinnen und Auditoren.
2. Warum als Zuschlagskriterium in Ausschreibungen?
2.1 Rechtliche Einordnung
Das revidierte Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) verankert Nachhaltigkeit ausdrücklich als Grundsatz. Umweltkriterien sind explizit als Bewertungskriterium vorgesehen (Art. 21 BöB), und Vergabestellen sind eingeladen, vermehrt auf Qualität und Nachhaltigkeit ausgerichtete Zuschlagskriterien in ihre Ausschreibungsunterlagen aufzunehmen — es soll nicht mehr nur das wirtschaftlich günstigste, sondern das vorteilhafteste Angebot den Zuschlag erhalten.
Wichtiger Hinweis zur Formulierung: Nachhaltigkeitsanforderungen wie EcoGastroCert sollten als Zuschlagskriterium (zusätzliche Bewertungspunkte) und nicht als technische Spezifikation mit Ausschlusswirkung formuliert werden. Die Nichterfüllung eines Zuschlagskriteriums führt zu einer schlechteren Bewertung, nicht zum Ausschluss vom Verfahren — das ist vergaberechtlich der sichere Weg und entspricht der Praxis, die sich bereits für das Label Minergie-ECO etabliert hat, das in zahlreichen kantonalen und kommunalen Vergabeunterlagen referenziert wird.
2.2 Nutzen für die Vergabestelle
- Fertiges, bereits erprobtes Kriterium — kein eigener Entwicklungsaufwand für ein Nachhaltigkeitskriterium im Gastro-/Küchenbereich nötig.
- Nachweisbarer Beitrag zu kommunalen/kantonalen Netto-Null- und Energiestrategien, gegenüber Politik und Bevölkerung kommunizierbar.
- Reduziertes Planungsrisiko: die Systemgrenzen zwischen Gastroplanung und den übrigen Gewerken (Elektro, Lüftung, Kälte, Sanitär) werden im Zertifizierungsprozess explizit koordiniert.
- Tiefere Betriebskosten über die Lebensdauer der Küche — relevant für öffentliche Bauten mit langer Nutzungsdauer und eigenem Betrieb (Schulen, Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Personalrestaurants).
3. Musterformulierung für die Ausschreibungsunterlagen
Die folgenden Textbausteine können direkt in Eignungs- bzw. Zuschlagskriterien übernommen und projektspezifisch angepasst werden (z. B. bei Submissionen für Neubau, Sanierung oder Betrieb einer gewerblichen Küche/Grossküche).
„Die Anbieterin/der Anbieter weist nach, dass die geplante bzw. betriebene gewerbliche Küche nach EcoGastroCert (Eartheffect AG, in Zusammenarbeit mit EnergieSchweiz und dem Verband Schweizer Gastroplaner) zertifiziert ist oder eine gleichwertige, unabhängige Zertifizierung von Planung und Betrieb hinsichtlich Energieeffizienz vorlegt. Der Nachweis kann in Form eines gültigen Teilzertifikats 1 (Planung/Bau) bei Ausschreibungen für Neu- oder Umbauten bzw. eines Vollzertifikats (Planung und Betrieb) bei bereits betriebenen Küchen erfolgen. Die erreichte Zertifizierungsstufe (Basis/Silber/Gold) wird zusätzlich bewertet."
3.1 Vorschlag zur Punktevergabe
Empfehlung: Gewichtung des Kriteriums „Energieeffizienz Gastroküche" mit 5–10 % der Gesamtbewertung, gestaffelt nach erreichter Stufe. Anzupassen an das jeweilige Bewertungsraster der Vergabestelle.
| Nachweis | Punkte (Beispiel) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kein Nachweis einer Zertifizierung | 0 | — |
| EcoGastroCert Basis (Teilzertifikat 1 und/oder 2) | 1 | Mindestschwelle erreicht |
| EcoGastroCert Silber | 2 | deutlich über Mindestschwelle |
| EcoGastroCert Gold | 3 | höchste Stufe |
| Vollzertifikat (Planung und Betrieb) statt nur Teilzertifikat 1 | +1 | zusätzlicher Bonus, sofern Betrieb bereits läuft |
4. Argumentarium (Kurzfassung für interne Begründung/Weisung)
- Energie ist nach Personal- und Wareneinsatz oft der drittgrösste Kostenblock im Gastronomiebetrieb — Effizienzgewinne wirken sich direkt auf die Betriebskosten über die gesamte Nutzungsdauer aus.
- Öffentliche Bauten mit Grossküchen (Schulen, Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Personalrestaurants) laufen oft jahrzehntelang im Eigenbetrieb — die Betriebsphase (Teilzertifikat 2) ist hier besonders relevant, da sie über die reine Bauqualität hinaus auch den Alltag erfasst.
- EcoGastroCert ist unabhängig von einzelnen Geräteherstellern und Küchenbauern konzipiert — die Bewertung erfolgt durch externe, geschulte Auditorinnen und Auditoren.
- Das Programm wird mit Unterstützung von EnergieSchweiz (Bundesprogramm) und dem Verband Schweizer Gastroplaner entwickelt und ist damit fachlich breit abgestützt.
5. Kontakt und weitere Unterlagen
Für Rückfragen zur Formulierung, zur Einordnung im konkreten Vergabeverfahren oder für eine Liste bereits zertifizierter Referenzobjekte steht Eartheffect AG zur Verfügung.
Eartheffect AG
info@eartheffect.ch · cert.ecogastro.org